Grundlagen für Zucht und Bewertung des Fjordpferdes

Das Zuchtziel

Durch Reinzucht sollen der charakteristische Typ und die vielseitige Verwendbarkeit des Fjordpferdes bewahrt bleiben, und innerhalb der zulässigen Variationsbreite ein gesundes, robustes Gebrauchspferd gezüchtet werden. Weiterhin müssen die ursprünglichen und anerkannten Farben der Rasse und die Wildfarbzeichnung erhalten werden, die dem generellen Farbton des Körpers entsprechend unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Für die Rasse untypische Farben und Abzeichen sollen vermieden werden und werden negativ bewertet.

Die Gesamterscheinung des Fjordpferdes soll kräftig, robust, gut proportioniert und athletisch sein; ein Pferd mit viel Ausstrahlung und Charme. Das Pferd soll kooperativ, zuverlässig, willig, unter den meisten Umständen ruhig sein und natürliche, ausbalancierte Bewegungen haben. Das Fjordpferd soll ein vielseitiges Reit-, Fahr- und Arbeitspferd sein.
Der Körperbau des Fjordpferdes soll gewährleisten, dass es sich sowohl in schwierigem Gelände als auch in der Ebene gleich gut bewegen kann.

Mit diesen Eigenschaften soll das Fjordpferd umgänglich und so als Familienpferd geeignet sein, ebenso für die verschiedensten Einsätze beim Lehren und Lernen, Wettbewerb und Freizeit.

Viele weitere Informationen finden sich im internationalen Richterhandbuch.

Die Beschreibung des Fjordpferdes

Grösse: Es gibt weder eine obere noch eine untere Grössenbeschränkung, dabei liegt das angestrebte Stockmass am Widerrist liegt zwischen 135 cm und 150 cm.

 

Farben und Abzeichen: Die fünf zulässigen Farben sind ‚brunblakk’= braunfalb, ulsblakk’= hellfalb (weissfalb), ‚grå’= graufalb, ‚rødblakk’= rotfalb und ‚gulblakk’= gelbfalb.

 

Es ist wichtig, dass auf die sogenannte Wildfarb-Zeichnung Wert gelegt wird und diese erhalten bleibt. Nur bei Stuten wird ein Stern akzeptiert. Andere sichtbare Abzeichen sind unzulässig. (Siehe auch Kapitel A-GRUNDLAGEN/ Fellfarben und Wildfarb-Zeichnung).

 

Langhaar: Der Schopf eines erwachsenen Fjordpferdes bedeckt von der Hälfte bis zu zwei Dritteln des Gesichts. Stark ausgeprägter Behang ist nicht erwünscht. Traditionellerweise hat das Fjordpferd eine Stehmähne. Das Pferd sollte mit bogenförmig geschnittener Mähne, die die Oberlinie des Halses betont, vorgestellt werden.

 

Der Kopf ist sehr wichtig für die Beurteilung des Rassetyps und des Ausdrucks. Er soll gut proportioniert, klein und „trocken“ sein mit breiter und flacher Stirn. Der Abstand zwischen Augen und Maul soll kurz sein, das Profil gerade oder vorzugsweise leicht konkav. Die Augen sollen gross, dunkel, klar und von freundlichem Ausdruck sein. Die Nüstern sollen verhältnismässig breit sein, so dass die Maulpartie ‚quadratisch‘ (viereckig) wirkt. Die Ganaschen sollen gut ausgeprägt sein, wobei der Unterkiefer nicht so stark sein soll, dass der Kopf grob erscheint. Es muss genügend Ganaschenfreiheit/ Platz zwischen den Unterkieferästen (Bereich der Ohrspeicheldrüse) vorhanden sein für freie Bewegungen des Kopfes und die Biegung des Genicks. Die breit angesetzten Ohren sollen relativ klein sein, eine deutliche Spitze haben und weit auseinander stehen. Die Ohren sollen parallel stehen mit einer äusseren Kurve von der Spitze bis zur Mitte des Ohres. Lange, spitze Ohren, die dicht zusammenstehen und sich dauernd bewegen sind für das Fjordpferd nicht typisch.

 

Körperbau, -struktur und Bemuskelung: Die Harmonie des Körperbaus ist sehr wichtig. Innerhalb der Rasse sind Variationen möglich, aber in jedem Fall muss ein Fjordpferd gute Gurtentiefe und eine ausreichend breite Brust haben und entsprechend seinem Geschlecht und Alter gut bemuskelt sein.

 

Der Hals sollte hoch aufgesetzt sein und eine gewölbte Oberlinie haben. Besonders Hengste haben oft einen starken Hals. Eine Zeit lang wurde das Fjordpferd für schwere Arbeit benutzt. Dabei wurde ein kurzer, starker Hals und eine steilere Schulter für vorteilhaft gehalten und bevorzugt. Heute wird ein längerer und geschmeidigerer Hals gewünscht, der sich besser eignet zum Reiten, Fahren und für Packpferde. Es werden genügend Länge und Leichtigkeit des Genicks gewünscht. Es muss aber betont werden, dass ein langer, dünner Hals unerwünscht ist.

 

Schulter und Widerrist: die Schulter hat einen wesentlichen Einfluss auf die Bewegungen des Pferdes, daher wird eine schräg gelagerte Schulter gefordert, die ein freies Vorführen der Vorderbeine erlaubt. Der Widerrist des Fjordpferdes ist oft nicht besonders stark ausgeprägt, sondern bildet einen sanften Übergang in den Rücken. Der Widerrist soll jedoch genügend gut ausgeprägt sein, um mit der Schulter- und Rückenmuskulatur eine gute Sattellage zu bilden. Die Vorhand sollte die gleiche Länge wie Rücken und Hinterhand haben.

 

Körper und Oberlinie: Der Brustkorb soll eine gute Wölbung haben, jedoch nicht rund sein. Rücken und Lendenbereich sollen glatt ineinander übergehen und gut bemuskelt sein. Die Lenden sind ausserordentlich wichtig und müssen sehr sorgfältig beurteilt werden, da sie die Verbindung zwischen dem Rumpf und der Hinterhand des Pferdes bilden. Der Übergang von den Lenden zur Kruppe soll beweglich sein, aber glatt ineinander laufen. Die Lenden als Verbindung sollen kräftig und nicht zu lang sein und im richtigen Verhältnis zu Rücken und Kruppe stehen.

 

Die Hinterhand: Die Kruppe soll lang, breit, gut bemuskelt und schräg sein. Eine zu stark abfallende oder zu flache Kruppe sind beide unerwünscht. Der Schweif soll weder besonders hoch noch tief angesetzt sein, dabei frei und natürlich getragen  werden. Der Oberschenkel soll ausreichende Länge sowie- von der Seite und von hinten betrachtet- gut ausgeprägte Bemuskelung aufweisen. Die Oberschenkel sollen von hinten gesehen so breit gestellt sein wie das Becken.

 

Beine: Der Unterarm soll breit und gut bemuskelt sein. Die Ober- und Unterschenkelmuskulatur der Hinterbeine soll lang und von der Seite betrachtet ebenso wie aussen und innen gut bemuskelt sein. Ein zu langer Unterschenkel wird für ein Arbeitspferd als Nachteil angesehen. Die Beine sollen korrekt stehen und angemessene Knochenstärke haben. Gelenke und Sehnen müssen gut ausgeprägt und trocken sein. Ein kurzes, kräftiges Röhrbein ist erwünscht. Die Röhren sollen klar und trocken sein und dürfen unter dem Karpalgelenk (Vorderfußwurzelgelenk) nicht eingeschnürt sein. Das Karpalgelenk (Vorderfußwurzelgelenk) soll gross und gut ausgeprägt sein. Das Sprunggelenk muss gross, gut ausgebildet und trocken sein. Kleine, schwach ausgeprägte Sprunggelenke sind in der Rasse unerwünscht. Der Sprunggelenkshöcker soll von der Seite gesehen deutlich markiert sein. Zu steile oder zu stark gewinkelte Sprunggelenke sind abzulehnen.
Die Fesselgelenke müssen kräftig und gut ausgebildet sein. Die Fesseln sollen stark, genügend lang und schräg sein, um sowohl angemessene Tragfähigkeit als auch Elastizität zu gewährleisten.

 

Die Hufe des Fjordpferds sollen seiner Grösse entsprechen und mit guter Hornqualität ausgewogen rund und weit sein. Die innere Hufwand kann etwas steiler sein als die äussere. Gute, gesunde Hufe sind äußerst wichtig für das Pferd.
Die Bewegungen sind besonders wichtig für das Fjordpferd. Sie müssen dem Körperbau entsprechend Elastizität und Schub bieten, um mühelos Leistungen in Schritt, Trab und Galopp zu erbringen. Die Bewegungen sollen kraftvoll und raumgreifend, ausbalanciert und taktrein sein. Das Fjordpferd soll sich in allen drei Gangarten locker bewegen. Der Galopp soll frei und ausbalanciert sein mit geschmeidiger und elastischer Vorwärtsbewegung. Der Trab soll energisch sein. Übertriebene Aktion gilt jedoch nicht als rassetypisch.

 

Geschlechtsmerkmale: Das Fjordpferd soll ausgeprägten Geschlechtstyp haben. Der Hengst soll männlichen Stolz und die Stute mütterliche Weiblichkeit zeigen.

 

Für die internationale Verständigung findet sich hier ein Fjordpferde-Lexikon!