Ein Abend im Zeichen der Pferde

von Uwe Heyne

Podiumsgespräch über verschiedene Herzenspferde

 

Verden, den 22. Oktober 2019

Ein Abend im Zeichen der Pferde
Podiumsgespräch über verschiedene Herzenspferde

Zum Abschluss der Sonderausstellung „Das perfekte Pferd? Pferdebeurteilung im Wandel der Zeit“ hatte das Deutsche Pferdemuseum in Verden (Aller) zu einem Podiumsgespräch geladen. Dabei stellten verschiedene Persönlichkeiten ihre „Herzenspferde“ vor, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Spitzenspringpferd Esprit FRH traf auf das stattliche Polizeipferd Thor und der edle Berberhengst Raisulih auf das kraftvolle Holzrückepferd Pit. Mannschaftsolympiasieger Lars Nieberg, Polizeihauptkommissar a.D. Norbert Rabe, Christin Krischke, Direktorin der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg und Forstwirt Elmar Stertenbrink begeisterten das Publikum mit ihren ehrlichen und persönlichen Statements zu ihren Lieblingspferden und wussten mit zahlreichen Anekdoten aus dem alltäglichen Miteinander mit ihrem vierbeinigen Partnern zu unterhalten. Dr. Enno Hempel führte als fachkundiger Moderator durch den Abend und hatte abwechslungsreiche und feinfühlige Fragen für die Talkrunde vorbereitet.

Der ehemalige Leiter der Polizeireiterstaffel Hannover, Norbert Rabe, hatte den Zündfunken zu dieser Museumsveranstaltung gelegt. Denn auch er war im Vorfeld der Ausstellung dem Aufruf des Museumsteam gefolgt für den Ausstellungsbereich „Mein perfektes Pferd“ sein persönliches Lieblingspferd zu beschreiben. Statt dem geforderten kurzen „Dreizeiler“ schickte er einen dreiseitigen Brief über sein Dienstpferd Thor. Einfühlsame Zeilen, die nicht alle auf der Ausstellungswand hätten abgedruckt werden können, sondern stattdessen im Rahmen einer Abendveranstaltung Gehör finden sollten.

Während seiner 40-jährigen Dienstzeit bei der Polizeireiterstaffel Hannover gehörte Rabe auch zu der Auswahlkommission für die Dienstpferde und hat insgesamt 165 Pferde begleitet. Der stattliche Wallach Thor lag ihm dabei besonders am Herzen, war er zunächst als ungeeignet für den Polizeidienst eingestuft worden. Von einem hochgewachsenen Jüngling, der 6-jährig noch Schwierigkeiten hatten, den Galopp zu halten, entwickelte Thor sich im Laufe der Ausbildung zu einem Führungspferd in der Reiterstaffel, das später jeder noch so schwierigen Einsatzlage wie ein Fels in der Brandung trotze.

Raisulih el Hadi, der inzwischen 28-jährige Berberhengst und Grandseigneur der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg scheint fast das komplette Gegenteil von dem einst etwas unbeholfen daherkommenden Thor zu sein. Raisulih ist mehrfacher Champion seiner Rasse und ein absoluter Musterschüler. Christin Krischke, Direktorin der Hofreitschule, beschrieb ihn liebevoll als einen der „alles kann, außer Steno und Stricken“. Er zeichnet sich nicht nur als herausragender Vererber aus, sondern beherrscht sämtliche Lektionen und Schulen der klassischen Dressur. So ist er eines der wenigen Pferde weltweit, das den Rückwärtsgalopp vorbildlich beherrscht. Zudem brilliert der leistungsbereite und nervenstarke Hengst vor dem Wagen, unter dem Damensattel oder vom Boden aus am langen Zügel.

Elmar Stertenbrink, Forstunternehmer und Fuhrhalter aus Erkrath hat mit Pit sein perfektes Pferd gefunden, ein Rheinisch Deutsches Kaltblut, der mit seinen 18 Jahren noch immer als Arbeitspferd im Wald fürs Holzrücken eingesetzt wird. Stertenbrink, dessen Fuhrhalterei, aufgrund der großen Nachfrage an umweltschonender Forstwirtschaft, in Kürze von 6 auf 10 Pferde wachsen soll, beschrieb seinen Pit als besonders menschenbezogen und einfühlsam. Mensch und Pferd arbeiten im Wald als eingespieltes Team, das ohne viele Worte auskommt. Kleinste optische Hinweise sind ausreichend, um mit ihm zu kommunizieren und trotz der enormen Kraft verfügt der Kaltblüter über totale Körperkontrolle. So zieht er höchst konzentriert schwere Baumstämme über den unebenen Waldboden selbständig zum Verladeplatz und wartet dort bis sein zweibeiniger Kollege den Baumstamm von den Ketten nimmt, um sich dann sofort wieder auf den Weg zum nächsten Baumstamm zu machen. „Bei all seiner Motivation kennt Pit seine Pausenzeiten jedoch ganz genau. Ist die Pause erstmal angebrochen, bewegt er sich nicht mehr so leicht vom Fleck,“ brachte Stertenbrink die Museumsgäste zum Schmunzeln.

Springpferd Esprit FRH und Lars Nieberg gehörten über Jahre zur absoluten Spitze im Parcours. Der Rappe galt als eines der besten und zuverlässigsten Springpferde der Welt, gewann u. a. Mannschaftsgold bei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen sowie Bronze bei den Europameisterschaften und belegte Platz zwei im Weltcup-Finale. Auf dem Podium im Deutschen Pferdemuseum erinnerte sich der 50-fache Nationenpreisreiter Lars Nieberg an die Anfänge mit Esprit zurück und gab zu, dass er ihn vermutlich nie gekauft hätte, „wenn er ihn zuvor probegeritten wäre“. Es dauerte seine Zeit bis Nieberg und Esprit zusammenfanden. So ließ sich der eigenwillige Wallach zunächst mit keiner anderen Trense als der mit den „grünen Glitzersteinchen“ reiten, die Nieberg vom Vorbesitzer mitbekommen hatte. Doch nach und nach wuchsen die beiden Sportler zu einem Team zusammen und feierten zahlreiche Erfolge. Mit 18 Jahren wurde Esprit aus dem Sport verabschiedet und genoss noch 12 Jahre lang seinen Ruhestand auf dem Hof der Familie Nieberg.

Vier Pferdepersönlichkeiten unterschiedlicher Rassen, Farben, Charaktere, Staturen und Verwendungen standen im Mittelpunkt des Talkabends im Deutschen Pferdemuseum. Einig waren sich am Ende des Abends alle Anwesenden, dass die herausragende Bedeutung des Pferdes für die Menschheit nicht in Vergessenheit geraten darf und dass unabhängig von der Verwendung und Pferderasse das Tierwohl immer an erster Stelle stehen muss.

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Bildunterschrift:

Das einfühlsame Holzrückepferd Pit ist eines der Lieblingspferde, das bei dem Podiumsgespräch vorgesellt wurde. Besitzer Elmar Stertenbrink über seinen Wallach so: „Er ist sehr kräftig und gelegentlich hat man den Eindruck, dass er auch auf einem Seil tanzen könnte. Er verfügt über die totale Körperkontrolle. Ein Pferd, zu dem man aufblickt.“
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Kontakt:

Deutsches Pferdemuseum e.V.

Ina Rohlfing

Holzmarkt 9

27283 Verden (Aller)

Tel: 04231/807145 oder 807144

Email: verwaltung@dpm-verden.de

Homepage: www.dpm-verden.de

 

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