Haltung

Pferde stellen aufgrund ihrer evolutionsbedingten Eigenarten folgende Grundansprüche an eine artgemäße Haltung:

  • Bewegungsmöglichkeit
  • Sozialkontakt
  • Klima
  • Pflege

 

Haltungsformen:

  • Freilandhaltung
  • Offenstall
  • Boxenhaltung
  • Ständerhaltung

Bewegungsmöglichkeit

Im Sozialverband in freier Wildbahn bewegen sich Pferde zur Futteraufnahme bis zu 16 Stunden am Tag. Diese Bewegung und Beschäftigung wird den Pferden in menschlicher Obhut zum größten Teil genommen. Daher ist hierfür ein geeigneter Ausgleich zu schaffen. Neben der Beschäftigung mit dem Pferd gehört dazu auch eine artgerechte Fütterung in möglichst vielen, kleinen Futterportionen sowie ausreichende Bewegungsmöglichkeiten durch Freilauf, Weidegang etc.

Fehlende Bewegungsmöglichkeit ist heute der Hauptgrund für viele Lahmheitserscheinungen der Boxenpferde!

Sozialkontakt

Pferde sind Herdentiere. Um sich wohl zu fühlen, brauchen sie Artgenossen. Diese bieten als Herde das Gefühl von Sicherheit, gegenseitige Fellpflege und sozialen Umgang. Ein Pferd als Einzeltier zu halten, ist schlichtweg Tierquälerei, die gravierende Verhaltensstörungen zur Folge hat.

Klima

Pferde leben in freier Wildbahn ständig draußen. Ihre Lungen sind empfindlich und benötigen viel Frischluft. Der Atmungsapparat der Pferde ist anf√§llig für Staub und Schadgase wie z.B. Ammoniak. Im Stall ist daher für eine ausreichende Luftzirkulation, ohne daß Zugluft entsteht, zu sorgen.
Darüber hinaus muss ein Stall, in dem sich ein Pferd wohl fühlen kann, möglichst hell sein.

Einen warmen, molligen Stall braucht ein Pferd nicht - hätte die Natur das Pferd für diese Haltungsform vorgesehen, so wäre es ein Höhlenbewohner geworden. Hier darf man die eigenen Vorstellungen von "Gemütlichkeit" nicht auf das Pferd übertragen. Gerade die Fjordpferde lieben die Kälte. Schutzhütten werden eher im Sommer als Schattenspender aufgesucht. Im Winter stehen die Pferde lieber draußen - und das oft auch bei Hagel und Schnee! Das dichte, lange Fell der Fjordpferde isoliert dabei so gut, daß Schneeflocken auf dem Rücken der Tiere liegen bleiben und nicht schmelzen.

Pflege

Die Pflege der Pferde richtet sich auch nach der Haltungsform: Pferde in Boxenhaltung benötigen eine intensive Fellpflege, d.h. tägliches striegeln und bürsten. Pferde im Offenstall und in Freilandhaltung hingegen haben die Möglichkeit der "natürlichen" Fellpflege. Sie wird von Wind und Regen, gelegentlichem Wälzen und "schubbern" sowie den Herdenkollegen erledigt. Allein zum Reiten und Fahren muss das Pferd gründlich gesäubert werden, damit kein Sattel- oder Geschirrdruck entsteht. Die Hufe der Pferde benötigen hingegen unabhängig von der Haltungsform eine besondere Sorgfalt. Sie sind täglich zu kontrollieren und regelmäßig (alle 6-8 Wochen!) von einem Schmied zu bearbeiten.

Folgende Haltungsformen für Pferde sind möglich:

  • ganzjährige Freilandhaltung
  • Offenstall
  • Boxenhaltung
  • Ständerhaltung

Freilandhaltung

Die ganzjährige Freilandhaltung von Fjordpferden erfordert wenig Arbeitseinsatz, dafür aber sehr große Flächen. Das Weideland wird durch Tritt- und Verbissschäden sehr stark beansprucht.

Für die Pferde ist diese Haltungsform die natürlichste - vorausgesetzt es steht ausreichender Schutzraum zur Verfügung. Dies kann ein dichtes Waldstück sein, in das sich eine Herde bei entsprechender Witterung zurückzieht, oder auch ein großer, zugfreier Unterstand. Dieser muss von drei Seiten geschlossen sein und über einen trockenen Boden und Zugang verfügen, da sonst Mauke und Strahlfäule drohen. Die offene Seite dieses Unterstandes sollte in Richtung Süd/Süd-Ost liegen. Die Schutzhütte wird, soweit möglich, an der höchsten Stelle der Weide angelegt. Pferde schätzen dies, weil diese Lage ihnen einen möglichst großen Überblick gibt. Zudem ist eine solche Hütte leichter trocken zu halten, als eine in einer Senke gelegene.

Im Winter muss natürlich ausreichend zugefüttert werden. Dass den Pferden jederzeit frisches - eisfreies - Wasser zur Verfügung stehen muss, ist eigentlich selbstverständlich.

Die ganzjährige Haltung auf großen Weiden erschwert die Nutzung der Pferde: sie müssen für jeden Einsatz von der Weide geholt werden, sind oft verschmutzt, haben einen Weidebauch und im Winter ein üppiges Fell. Daher eignet sich diese Haltungsform vor allem für Zuchtstuten und Jungpferde, weniger jedoch für Pferde die im Training stehen.

Offenstall

Der Offenstall ist die ideale Zwischenlösung für Freizeitpferde: den Pferden steht ein trockener, gut eingestreuter Schutzraum als Liegefläche und ein möglichst großer, befestigter Auslauf mit einem Futterplatz zur Verfügung. Die Pferde haben hier die Möglichkeit, Sozialkontakte auszuüben, sich frei an der frischen Luft zu bewegen und bei Bedarf die Schutzhütte aufzusuchen. Zusätzlich sollte zumindest im Sommer Weidegang möglich sein. Für die Liegefläche rechnet man pro Fjordpferd mindestens 6 qm; der Auslauf sollte so groß wie möglich sein. Zumindest ein Teil dieses Auslaufes muss trocken und befestigt sein. Der Pferdekot muss im Offenstall täglich abgesammelt, die Liegefläche sauber gehalten und gut eingestreut werden. Matschkoppeln als Dauerauslauf sind unhygienisch und begünstigen Krankheiten wie Strahlfäule und Mauke. Zudem bieten sie den Pferden keinen ausreichenden Bewegungsanreiz, da diese ungern durch den knöcheltiefen Matsch stapfen.

Ein solcher Matschplatz ist als Dauerauslauf nicht geeignet.

In einem befestigten Auslauf wie hier, stehen die Pferde auch bei Dauerregen trocken.

Der Futterplatz muss so angelegt sein, dass alle Pferde ungestört ans Rauhfutter können und keine Rangeleien entstehen. Dies kann durch eine überdachte Rundraufe oder auch durch Futterständer geschehen.

Auch bei einer Haltung im Offenstall benötigen die Pferde tägliche zusätzliche Bewegung, da sie sich auch im Offenstall nicht ausreichend selbst bewegen!

Boxenhaltung

Die Haltung in einer Box hat den Vorteil, dass eine individuelle Fütterung möglich ist. Zudem ist das Pferd für eine Nutzung jederzeit greifbar. Ausschließliche Boxenhaltung ohne Auslauf ist aber nicht artgerecht, da die Pferde zu wenig Bewegung haben. Die Boxenhaltung ist daher entweder mit täglichem, mehrstündigem Freilauf bzw. Weidegang oder zumindest mit ausreichender Arbeitsleistung der Pferde zu kompensieren. Dabei ist das Bewegungsbedürfnis der Pferde mit einer Stunde reiten täglich längst nicht gestillt!

Die Box muss sauber und gut eingestreut sein. Auch in dieser Haltungsform ist tägliches Misten erforderlich, am besten sogar zweimal am Tag. Eine Pferdebox muss zudem möglichst hell und frei von Zugluft sein. Eine ausreichende Luftzirkulation im Stall, der keinesfalls nach Ammoniak stinken darf, ist aber sicher zu stellen. Ideal sind hier natürlich Außenboxen. Die Pferde können so jederzeit "Frischluft tanken" und nehmen am sozialen Leben auf dem Hof teil, so dass weniger Langeweile aufkommt. Die Mindestgröße der Box richtet sich nach der Größe des Bewohners. Grundsätzlich gilt aber auch hier, je größer, desto besser. Mindestmaß eine Fjordpferdebox sind 9qm.

Ständerhaltung

Die Anbindehaltung von Pferden in Ständern ist leider noch immer anzutreffen. Sie ist ein Relikt aus der Zeit, in der Pferde für die tägliche Arbeit auf dem Feld oder beim Transport erforderlich waren. Die Pferde hatten damals 6-8, manchmal gar 10 Stunden am Tag Arbeitsleistung zu erbringen. Daher war für eine ausreichende Bewegung und Auslastung der Tiere gesorgt. Das Anbinden in der übrigen Zeit war daher für die Pferde durchaus erträglich.

Heute sieht es leider meistens so aus, dass die Pferde nur für ein- bis zwei Stunden täglich Bewegung bekommen und sich die übrige Zeit des Tages im Ständer langweilen. Oftmals müssen sie dabei noch auf eine Wand starren und auf Sozialkontakte verzichten. Eine derartige Haltung ist weder zeitgemäß noch pferdegerecht und daher abzulehnen.

Zur weiterführenden Lektüre sind folgende Bücher empfohlen:

  • Ingolf Bender "Handbuch Robustpferde" Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN 3-440-06169-8
  • S. Schulze / "freizeit im sattel": "Pferdehaltung rund ums Jahr", Kosmos, ISBN 3-440-07382-3

  • Marten/Salewski "Handbuch der modernern Pferdehaltung" Franckh'sche Verlagshandlung, ISBN 3-440-05812-3

Elke Amberg-Schmitt